© Bild Schachnovelle (c) Studiocanal

Kino im Salon | Erlesene Filme: Schachnovelle

Mittwoch, 15 FEB 2023
19:30 Uhr

Beschreibung

Licht aus und Film ab – einmal im Monat zeigt das Kultur: Haus Dacheröden ausgewählte Literaturverfilmungen mit kurzer Einführung.  Wer eine intime, gemütliche Atmosphäre einem großen Kinosaal vorzieht, ist hier genau richtig. Gäste können den Film bei Kerzenschein, einem kühlen Getränk und ein paar Snacks genießen. Präsentiert werden Verfilmungen klassischer und zeitgenössischer Literatur – von „Tschick“ bis „Nackt unter Wölfen“, von neu bis alt. Hier ist für jeden etwas dabei. Eine kurze Einführung vor Beginn der Vorstellung gibt einen Überblick über die Hintergründe des Filmes. Sie sind herzlich eingeladen!

Wien, 1938. Der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland steht kurz bevor, der Notar Josef Bartok (Oliver Masucci) versucht mit seiner Frau Anna (Birgit Minichmayr), die Gefahr einfach weg zu tanzen, denn solange Wien tanzt, kann die Welt nicht untergehen. Doch das insistieren eines Freundes macht ihm Sorge, in seiner Kanzlei vernichtet er gerade noch Papiere, bevor er verhaftet wird.

Betont distinguiert versucht sich der Gestapo-Mann Franz-Josef Böhm (Albrecht Schuch) zu geben, bietet Bartok beim Verhör Zigaretten und guten Scotch an, doch auf eine Schachpartie will sich Bartok nicht einlassen: Das sei nur etwas für preußische Generale. Nach Monaten der Einzelhaft ändert sich jedoch seine Meinung, durch Zufall fällt ihm ein Buch in die Hand, endlich ein Buch, endlich wieder geistige Nahrung! Doch der kleine Band erweist sich als Sammlung von Schachpartien, die Bartok bald zum besessenen Spieler machen, der sich im Schach verliert – und dabei auch zunehmend den Verstand.

Derweil befindet sich Bartok auf einem Ozeandampfer von Rotterdam nach New York, zusammen mit Anna, aber auch dem Weltmeister im Schach, einem kauzigen Ungarn, der kaum ein Wort spricht, aber brillant Schach spielt. Bald kommt es zum Duell, doch immer deutlicher wird für Bartok, dass er nicht gegen einen äußeren, sondern einen inneren Gegner kämpft.

Erstaunlicherweise wird im Film „Schachnovelle“ kaum Schach gespielt, was vielleicht auch nicht so erstaunlich ist, bietet sich das Spiel der Könige – dem Erfolg der Netflix-Serie „Das Damengambit“ zum Trotz – doch nur sehr bedingt fürs visuelle Erzählen an. Erst ganz zum Ende von Philipp Stölzls Adaption kommt es also zu einem Duell, an dem nicht nur zwei, sondern in gewisser Weise drei Personen teilnehmen. Und an dessen Ende, also auch am Ende des Films, es eine ganz klare Auflösung gibt.

Und das ist das größte Manko einer durch und durch gediegenen Adaption: Sie bringt Dinge auf den Punkt, die in der Novelle nur angedeutet waren, sie schafft Klarheit, wo ursprünglich Ambivalenz war. Natürlich – man muss es kaum betonen – ist Oliver Masucci hervorragend als anfangs lebenslustiger Wiener, der durch die Mühlen der Nazis gedreht wird und als gebrochener Mann herauskommt. Und auch Albrecht Schuch überzeugt, ebenso wie Birgit Minichmair, deren Rolle in der Novelle nicht existiert und wohl hinzugefügt wurde, damit ein 110 Minuten langer Film nicht gänzlich ohne substanzielle weibliche Rolle auskommt.

Philipp Stölzls Regie bemüht sich um düstere Atmosphäre, die Ausstattung bleibt passend in dunklen Tönen verhaftet, die Kamera von Thomas W. Kiennast wählt oft verkantete Winkel, betont die Enge der Räume, die zunehmende Enge in Bartoks Kopf. Gediegenes Handwerk ist das durch die Bank, das beweist, dass auch in Deutschland teure Produktionen entstehen können, die sich zumindest stilistisch nicht hinter der internationalen Konkurrenz verstecken muss. Doch inhaltlich bleibt „Schachnovelle“ zu bemüht, zu auserzählt, um mehr zu sein, als eine beflissene Adaption von Stefan Zweigs Novelle.

Für seine siebenfach für den deutschen Filmpreis (u.a. Besten Spielfilm, Beste Nebendarstellerin für Birgit Minichmayr) nominierte Verfilmung des Literatur-Klassikers von Stefan Zweig konnte Regisseur Philipp Stölzl (Der Medicus, Nordwand) eine beeindruckende Besetzung gewinnen. Neben Hauptdarsteller Oliver Masucci (Enfant Terrible, Er ist wieder da) sind Albrecht Schuch (Berlin Alexanderplatz, Systemsprenger) Birgit Minichmayr (Alle Anderen) und Rolf Lassgård (Ein Mann namens Ove) Teil des herausragenden Ensembles.

Quelle: Programmkino.de/ Michael Meyns; studiocanal.de

Die Einführung in den Film übernimmt die Filmemacherin Susanne Aßmann. 



Veranstalter Informationen
Tel: +49 361 644 123 75
Erfurter Herbstlese - Anger 37, 99084 Erfurt

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